Ganz schön abgedreht. Dein Pott bekommt den letzten Schliff

 

Dein Gefäß ist etwas angetrocknet. Du kannst es jetzt anfassen, ohne dass es dabei verbeult.

Nun ist es bereit zum Abdrehen.

Aber was ist der Zweck des Abdrehens?

Nun, einmal will man sicher stellen, dass der fertige Topf gut steht. Ohne zu wackeln.

Der uns meist wichtigere Aspekt ist aber: das Gefäß soll (noch) schöner werden.

Die Schale soll auf einem eleganten Standfuß "schweben". Die bauchige Vase soll nach unten hin die Rundung des Bauchs fortführen. Knäufe von Deckeln müssen erst noch ausgearbeitet werden.

Wenn Du Anfänger bist, möchtest Du auch schlicht und einfach das Gefäß ein bischen "leichter" machen. Im unteren Drittel des Gefäßes steckt vermutlich noch eine ganze Menge Ton, der dort nicht gebraucht wird.

Abdrehen wird ja oft mit Holz-Drechseln verglichen. Das sei ähnlich. Ich hoffe für dich, dass dem nicht so ist.

Beim Drechseln wird aus einem KOMPAKTEN Stück Holz eine Form ausgearbeitet. Es fallen Unmengen von Abdrehspänen an. Weiß ich, ich lebte zusammen mit einem Drechsler.

Das würde dem Töpfer sehr viel Arbeit machen, eine entsprechende Menge an Tonspänen wieder zu brauchbarem Drehton aufzuarbeiten.

 

Der Ehrgeiz eines Töpfers könnte sich eher darauf richten, möglichst wenig abdrehen zu müssen, d.h. von vorneherein gleichmäßig und dünn genug drehen. Das gedrehte Gefäß ist quasi am Ende des Drehvorgangs schon "formvollendet".

Aber kein Stress: als Anfänger hast Du da eben im unteren Bereich sehr viel Ton zuviel. Wenn Du dich dazu überwinden kannst, nimm mal einen deiner gedrehten Töpfe und schneide ihn - mit dem Schneidedraht - senkrecht durch die Mitte durch. Dann siehst Du klar und deutlich, wo noch zuviel Ton ist.

Leider muss ich dir noch sagen: aus einem schief gedrehten Gefäß wird auch beim Abdrehen kein elegantes Teil. Im Gegenteil, es ist sehr schwer so ein Gefäß zu bearbeiten.

Wenn Du es dennoch brennen möchtest, nimm lieber einen nassen Schwamm und glätte damit Ecken und Hubbel.

 

Jetzt legen wir mal los.

Dein Scheibenkopf ist sauber, Du befeuchtest ihn mit einem ausgedrückten Schwamm.

Ich nehme mal eine "fiktive" Müslischale als Beispiel.

Du umfährst mit dem Schwamm den oberen Rand der Schale und setzt sie in die Mitte des Scheibenkopfs. Und gibst ganz langsam Gas. Sehr wahrscheinlich befindet sich die Schale nicht wirklich in der Mitte.

Der "Könner" setzt da ein paar leichte Handschläge drauf und schwups ist die Schale zentriert.

Dafür musste er oder sie allerdings eine ganze Weile üben.

Es geht auch anders.

Vorteilhaft sind Rillen auf dem Scheibenkopf. Orientiere dich daran und setze die Scheibe wieder langsam in Bewegung. Leichte Korrekturen kannst Du durch Schieben des Potts vornehmen (bei stehender Scheibe).

Hast Du keine Rillen auf dem Scheibenkopf, machst Du eben eine Rille auf den Boden deines Gefäßes, etwa 1 cm entfernt vom Außenrand. Nun kannst Du anhand des Abstands den Topf neu ausrichten.

 

Dann nimmst Du drei Stückchen weichen Ton und klebst damit die Schale fest und beginnst mit dem Abdrehen.

 

Die Scheibe läuft bei mittlerer Geschwindigkeit. Du nimmst eine Abdrehschlinge und bearbeitest maximal die Hälfte der äusseren Gefäßwand, vom Gefäßboden aus gesehen.

Du kannst den Boden dünner machen, einen Standfuß herausdrehen, wie auch immer.

Eine Hand hält das Abdreheisen gut fest, die andere drückt möglichst den Topf zum Scheibenkopf hin. Stütze dich am Körper ab.

 

Beim Abdrehen kommen diese beiden Aspekte zum Tragen: wieviel Ton kann weggenommen werden. Und welche Form / Details gefallen mir. Das musst Du unter einen Hut bringen.

 

Abdrehwerkzeuge fest in der Hand halten und anfangs erst leicht ansetzen, dann den Druck etwas verstärken.

Wenn alle deine Späne sofort am Topf festkleben und dort verschmieren, ist der Ton noch zu weich zum Abdrehen.

Wenn der Ton nur in Bröseln herunterfällt und das Abdreheisen auf dem Ton auch noch quietscht, ist das Gefäß schon sehr trocken.

Das beste Zeichen für den optimalen Zustand sind längere "Späne", wie Du es vom Apfel schälen her kennst.

Ob Du nun seitlich an der Außenfläche beginnst oder zuerst die Bodenfläche etwas aushöhlst, hängt vom jeweiligen Gefäß ab und / oder deinen Vorlieben. Probiere es aus.

 

Natürlich gibt es auch beim Abdrehen Verluste. Auf einmal ist der Boden durch, das Gefäß kriegt eine derbe Katsche oder fliegt evtl. doch noch von der Scheibe.

Wenn Du eine Zeit lang getöpfert hast, ist dein "Auffangreflex" sehr gut ausgebildet.

Wie das Drehen, ist auch das Abdrehen Übungs- und Erfahrungssache.

 

Und bedenke: nur wenn Du "Fehler" einige Male machst, kannst Du sie später vermeiden! :-)

 

Ist dein Pott fertig abgedreht, nimm einen Schwamm und wische über den Rand des Topfes, den Rest lass lieber erst mal trocknen.

Abdrehspäne kannst Du zur Wiederaufbereitung in deinen Toneimer geben.

 

Hier noch Links zu Videos:

 

auf YouTube: Keramik Wieser zeigt Abdrehen einer Schale

auf YouTube: Jana Döring dreht eine Obstschale ab

auf Youtube: Florian Gadsby: es entsteht eine Schale, gezeigt von Anfang bis Ende