Mitten ins Herz. Dein Gefäß kriegt einen Boden

 

Aufbrechen, Boden legen und Durcharbeiten

 

 

Ich beschreibe dir eine Methode, den Ton aufzubrechen.

 

Soweit bist du gekommen: Dein Tonklumpen ist zentriert und läuft ruhig auf der Scheibe. Der Klumpen ist breiter als hoch und hat nach oben eine leichte Wölbung - besser noch - er ist plan, eben.

 

Nun reduzierst du die Geschwindigkeit der Scheibe ein klein wenig. Tauchst die Hände ins Wasser. Eine Hand umfasst den Tonklumpen, so wie Du einen Becher anfassen würdest, locker. Nicht drücken. Zeige- und Mittelfinger der zweiten Hand legen sich über den Daumen der ersten Hand auf den Mittelpunkt des Tonklumpens. Beide Hände sind somit in Kontakt zueinander.

Ganz in Ruhe suchst Du die Mitte und drückst eine winzige Mulde oben in die Mitte.

(Ob Rechts- oder Linkshänder: Bei diesem Arbeitsgang kannst du die Aufgaben der beiden Hände vertauschen. Probiere es aus, was sich für dich besser anfühlt.)

 

Ok, du hast den Mittelpunkt.

Nun mit den beiden Fingern (oder auch nur einem) nach unten drücken. Dabei benutzt Du die ganze Fingerkuppe. Es geht nicht nur darum, ein Loch zu bohren, sondern den Ton in der Mitte nach unten zusammenzudrücken.

 

Dabei legst du fest, wie dick die Bodenplatte deines Topfes wird. Warst du zu ungestüm, dann bist du schon auf dem Metall deines Scheibenkopfs gelandet. Will heißen, der Boden hat später ein Loch.

Aua. Also behutsam vorgehen. Für den Anfang kann ruhig ein 1 Zentimeter dicker Boden bleiben oder auch ein bischen mehr. Später wirst du das verfeinern.

 

 

Jetzt wird der Boden gelegt.

 

Den Zeigefinger über den Tonrand legen so wie oben beschrieben, zu einem rechtwinkligen Haken formen. (Etwa so wie die Hexe bei Hänsel und Gretel lockt, nur dass der Finger-Haken nach unten zeigt.)

 

Auf der Bodenplatte entlang ziehst du jetzt die Tonwand zu dir hin.

Auch hier gilt: nicht den Ton erschrecken – mit wenig Zugkraft beginnen und enden.

 

Den Boden nicht wesentlich weiter aufziehen als der Tonklumpen unten breit ist.

Bravo, wenn dein Tonring jetzt noch ruhig läuft!

 

Zum Schluss machst Du einen Handgriff, den Du auch am Ende jedes Aufzugs (Hochzug) verwenden kannst:

Du greifst vorsichtig den Tonrand mit Zeigefinger und Daumen der zweiten Hand, ganz locker, und legst den Zeigefinger der Haupthand waagrecht auf den Rand des Gefäßes.

Dadurch wird der Rand etwas stabilisiert. Du verhinderst ein Ausfransen (.-)) des Tonrandes.

 

Jetzt musst du nur noch den Gefäßboden bearbeiten.

 

Er soll schön glatt werden, damit das fertige Gefäß gut benutzt und auch gereinigt werden kann.

Es gibt noch einen weiteren Grund.

Der Ton am Boden soll etwas verdichtet werden. Die Gefahr von Bodenrissen beim Trocknen soll verringert werden. Dieser Arbeitsschritt ist einfach.

 

Die eine Hand umfasst außen das Gefäß ohne Druck. (Bei diesem Schritt probiere aus, mit welcher Hand du innen am besten arbeiten kannst.) Von der anderen Hand arbeiten nur zwei Finger. Zeige- und Mittelfinger dicht aneinander. Sie beginnen in der Mitte des Topfbodens und gleiten mit leichtem Druck langsam zum Außenrand. Und zurück. Zum Schluss nimmst du deinen Schwamm und machst den Innenboden sauber. Dann den unteren Rand außen am Topf. Wahrscheinlich ist da auch einiges an Schnodder-Schlicker zu finden. Das kannst du mit den Fingern wegnehmen, bei drehender Scheibe.

 

Inzwischen verrate ich dir schon mal das zweite Geheimnis des Drehens:

 

Mach es wie die 3 Musketiere. Zusammen waren sie stark. Beide Hände sind immer in Kontakt miteinander, dein Körper gibt zusätzlichen Halt.

 

Außer du würdest dich dabei total verrenken.

 

Aber war da nicht auch noch D'Artagnon, der Kopf des Bundes?

Klar, Dein Köpfchen arbeitet da auch noch mit.

Irgendwer muss ja dieses Multitasking koordinieren.

 

Denn, ehrlich gesagt, man muss am Anfang schon einige Regeln im Kopf haben.

Die Handgriffe verstehen und umsetzen.

Auf Geschwindigkeit und Kraftausübung achten.

Und dann zwischendurch auch mal Luft holen.

 

Herzlichst Heidi

Aachen Januar 2021